Florian Reinmold auf dem Gipfel

Ein Bild meiner Selbst

Wer ich bin? Der da oben.

Ich heiße Florian Reinmold und alle Versuche ein Bild meiner Selbst an andere zu vermitteln sind mir bisher misslungen. Warum das so ist, kann ich nur vage erahnen. Heute möchte ich es noch einmal wagen und die Sache dabei aus einer etwas unkonventionelle Art und Weise angehen. Meine vorherigen Versuche beinhalteten das Problem, dass ich davon ausging, eine feststehende Persönlichkeit zu besitzen, die sich durch Taten, Wortwahl, Gesinnung und Wertevorstellung zusammensetzt. Auf dieser Grundlage erzählte ich von mir, war jedoch nie ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Irgendetwas, so meine Meinung, war unausgesprochen geblieben, doch mir war nicht klar, um was es sich dabei handelte.

Das Unausgesprochene

Seitdem ist viel passiert und ich habe erkannt, das das Unausgesprochene nie aussprechbar sein wird. Das ist für alle anderen zwar kaum von Vorteil, beweist aber zumindest, dass jeder für sich selbst das Unausgesprochene aufspüren und ergründen muss. Bei mir hat es vor allem Zeit für mich alleine gebraucht. Angefangen damit, weniger Seminare im Semester zu belegen, bin ich heute soweit zu sagen, dass ich mein Studium bewusst nie im dem Sinne beenden werde, einmal ein Stück Papier in den Händen zu halten auf dem Bachelor of … oder Master of … steht. Diese Art sich zu definieren habe ich aufgegeben. Für mich hätte es mehr Wert, auf einen Notizzettel „Master of the Universe“ zu schreiben, um ihn mir anschließend an die Stirn zu kleben. Sollte ich mir meinen merkwürdigen Humor beibehalten können, habe ich damit mehr für meine Zukunft gewonnen, als einen perfektionierten Lebenslauf zu besitzen.

Studium

Seit ich begonnen habe, mein Studium zu vernachlässigen, ist mir erst aufgefallen wie sehr ich seither auch das Schreiben, meinen eigentlichen Grund, Germanistik zu studieren, vernachlässigt habe. Mit dieser Idee gelangte ich zur Universität Freiburg. Ich wollte das Germanistik-Studium aufnehmen und im Nebenfach etwas über die Philosophen lernen, denen ich mich nahe fühlte, aber gefunden habe ich innerhalb der Germanistik nur Professoren, die einen frech anfuhren, sollte man behaupten, Germanistik zu studieren, wo doch der Studiengang in „Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft“ umbenannt wurde.

Philosophie der Wahrheit

In der modernen Philosophie, wenn man das so nennen kann, fand ich keine Philosophen, sondern nur Professoren der Philosophie und Menschen, die Sokrates, Platon und einige andere Philosophen wie Götter verehrten und nie auch nur im Traum daran dächten, sich einmal auf der Wellenlänge von Sokrates zu befinden.

So suchte ich seit jeher unbewusst nach einer Institution, die mich nicht enttäuschen würde, mich der Wahrheit ein Stück näher zu bringen. Nachdem ich an der Universität also auch nicht fündig wurde, begann ich am letzten Ort zu suchen, der mir blieb: in mir selbst. Was ich dort gefunden habe, lässt sich nicht in Worte packen und hört sich jetzt vielleicht gruseliger und esoterischer an als es sollte. Was es ist, das muss jeder für sich selbst heraus finden. Ich will mir nicht anmaßen, jemandem meine vermeintliche Wahrheit aufzuzwingen wie es schon so viele Menschen, bzw. Institutionen in unserer Geschichte getan haben. Wer das hören möchte, was ich zu sagen habe, der soll zuhören. Wer nicht, der lässt es eben bleiben.

Weil ich das eben erwähnte hier nicht weiter ausführen möchte, erzähle ich einfach von einigen meiner Eigenarten, die damit einher gehen, dass man sich von den meisten Sorgen lossagen konnte.

Eine weitere metaphysische Abhandlung

Es ist ziemlich kennzeichnend für mich, allzu häufig dazu zu tendieren, aus beinahe jedem Text eine metaphysische Abhandlung zu machen. Ab einem gewissen Punkt geht es mir manchmal selbst auf die Nerven, weshalb ich mich in dieser Hinsicht oftmals ein wenig bremsen muss. An und für sich sich dient der Blog als Medium für meinen ganz persönlichen Versuch einer metaphysischen Abhandlung. Dabei gefällt es mir nicht, das häufig zu erwähnen. Viel lieber ist es mir, meine Botschaften im Subtext mitschwingen zu lassen und dazu beizutragen, dass mein Gegenüber sich die richtigen selbst Fragen stellt.

Folgen von Sorgenlosigkeit

Eine andere Folge meiner Sorgenlosigkeit ist es, dass mir mancherlei Vorstellungen, wie bspw. etwas zu sein hat, mittlerweile derart wurscht sind, dass ich fast schon zwanghaft das Gegenteil davon tun muss. Zum Beispiel die imaginären Schutzschilde meiner Mitmenschen. Ich trete die Illusion ihrer Gruppenzugehörigkeit und der daraus zu schlussfolgernden illusionären Getrenntheit, insofern man Illusionen treten kann, absichtlich mit Füßen, in vollem Bewusstsein darüber, dafür ordentlich Missgunst zu kassieren. Dabei tröstet mich ausschließlich die Tatsache, ihnen auf lange Sicht klar machen zu können, dass es auf der Welt keinerlei Sicherheiten gibt und nie gegeben hat.

Meine Faulheit

Worüber ich mich jedoch am meisten wundere, ist die Tatsache, dass ich tatsächlich meine Faulheit überwunden habe. Das habe ich geschafft, indem ich eine Eigenschaft, die oft mit Faulheit Hand in Hand geht, nämlich die Liebe zum Essen, richtig angewendet habe. Meine entstandene Liebe gegenüber dem Essen war so groß, dass sie über meine Faulheit triumphiert hat und ich begonnen habe mich in die Küche zu stellen, um zu kochen. Und wer hätte das gedacht: es schmeckt.

Zu guter Letzt

Es sei in meiner Selbstbeschreibung gesagt: Ich besitze keine unveränderliche Persönlichkeit, nein, ganz im Gegenteil. Aus diesem Grund habe ich auch keine Hobbys oder dergleichen hier aufgezählt. Mein Ich lässt sich nicht durch Worte beschreiben oder durch Eigenschaften und Besitztümer definieren. Es entsteht in jedem Moment neu und ist nie das was es noch eine Sekunde zuvor gewesen ist.

 

Florian Reinmold
florian.reinmold@vom-hundertsten-affen.de
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