Wanderung

Was mich antreibt – Das Erbe meines Vaters

Genealogiebericht.

Hallo, mein Name ist Marco Antonio Lo Voi. Heute möchte ich dir etwas von mir erzählen. Also von mir als Person. Wo beginne ich am besten? Na, wohl ganz am Anfang:
Mein Vater war Sohn einer siebenköpfigen Familie im Herzen Siziliens, einem kleinen Dorf mit Namen Bisacquino. Früh verließ er die Schule, um für den familiären Haushalt mit aufzukommen. So arbeitete er für seinen Vater oder half auf Baustellen. Als Gastarbeiter verschlug es dann alle in den Süden Deutschlands, nahe dem Ort, in dem ich selbst aufgewachsen bin. Meine Großeltern, die heute nicht mehr sind, verließen Deutschland allerdings mitsamt den vier Schwestern meines Vaters bald wieder. Er aber blieb als Gießer in einer Metallverarbeitungsfabrik, damals war er etwa 16 Jahre alt.

Meine Mutter wuchs mit ihren beiden Schwestern in Lauterach bei Bregenz, im schönen Vorarlberg auf, besuchte die Hauptschule und erlernte den Beruf einer Zahntechnikerin. Bei einer Italienreise lernten sich beide kennen und lieben. Mein Vater nahm sie mit nach Deutschland, genauer gesagt in das bescheidene Dörfchen Erzingen, das an den Hängen der Weinberge des Klettgautals liegt. Erfolgreich betrieben sie eine Kneipe und mein Vater verdiente gut. Sie setzen meinen älteren Bruder Salvatore Giuliano und fünf Jahre später mich und noch einmal zwei Jahre später meinen jüngeren Bruder Dario Augusto in die Welt. Als ich in etwa in der zweiten Klasse war, beschlossen meine Eltern ein Haus zu bauen, was sich wirklich gut neben dem Mercedes E-Klasse meines Vaters machte. Er arbeitete wieder in der Metallverarbeitungsfabrik und verdiente auch dort recht gut, bald musste er aber schon einen zweiten Job annehmen und meine Mutter fing, sobald wir halbwegs selbstständig waren, ebenfalls einen Nebenjob beim örtlichen Zahnarzt an.

Die großen Veränderungen

Ich weiß nicht genau wann es anfing, unsere Eltern entschieden sich, es uns vollkommen zu verschweigen. Wir sahen nur, wie es meinem Vater zunehmend schlechter ging. Krebs. Er setzte seinen Alltag mit zwei Jobs fort, auch an Marathons hat er noch teilgenommen. Wir bekamen nichts mit. Auch weiß ich nicht, was sie uns zuerst offenbarten, aber unvermittelt und völlig aus dem Kontext gerissen beichtete meine Mutter uns, dass wir das Haus verkaufen müssen. Mit seinen letzten Kräften regelte mein Vater alles für die Auflösung des Hauses, dank der Chefin meiner Mutter erhielten wir eine schöne Wohnung in Erzingen, was nicht so einfach war. Als alles unter Dach und Fach war, nur noch der Akt des Umziehens bevorstand, verstarb mein Vater. Damals war ich 18. Zum Verhältnis zu meinem Vater, wird es vermutlich noch einen Beitrag geben.

Auf einen Schlag änderte sich für mich mein ganzes Leben. Haus weg. Vater weg. Neue Wohnung. Abitur steht vor der Tür. Es war nicht leicht, aber ich habe gute Freunde, die mir mit grenzenloser Hilfsbereitschaft zur Seite standen. Danke.

Heute bin ich 23, sitze in Freiburg, genieße ein Studium, lebe in einer WG mit Freunden und erfreue mich bester Gesundheit. All das verdanke ich dem Leben und Sterben meiner Eltern. Meine Mutter hat inzwischen wieder jemanden gefunden und das freut mich ungemein.

Mein Vater, das Leben und Ich

Mein Vater hat sich ins Grab geschuftet. Sein Leben bestand darin, für seine Familie zu sorgen. Schon in frühsten Jahren. Die ärztliche Diagnose besagte, die Krankheit käme von den feinen Metallpartikeln, die die Luft in der Fabrikhalle vernebelten. Ich kann nur mutmaßen, ich kannte meinen Vater zu wenig. Was feststeht ist, dass ein Leben bestimmt von Arbeit in Krankheit und Tod mündet.

Es klingt sehr undankbar und man mag es mir vorwerfen, ja, diesen Vorwurf habe ich mir selbst einige Male schon gemacht, doch inzwischen treibt mich der Gedanke, dass mein Vater sein Leben gegeben hat, vermehrt voran. Wohin fragst du dich? Nun ja, meine Einstellung zum Leben unterscheidet sich von der meines Vaters augenscheinlich, doch seine Einstellung mündete in meiner Existenz, also bin ich durchaus zutiefst dankbar, denn ich habe diesen Umstand natürlich erkannt.

Augenscheinlich? Ja, denn er lebte immer für andere. Und das will ich auch tun. Ich erweitere allerdings meinen Fokus, da mir dies – im Gegenteil zu meinem Vater – in meinen luxuriösen Umständen möglich ist, und beziehe alle Menschen mit ein. Ich suche Wege, Menschen zu berühren und sie wieder an die geistige Vernetzung, die allgegenwärtig ist, jedoch vielfach nicht mehr erkannt oder einfach Vergessen wurde, zu erinnern.

Mein Antrieb ist es, einen Fußabdruck in Richtung einer besseren Welt zu hinterlassen.

Was ist euer Antrieb? Eure Inspiration? Wofür steht ihr jeden morgen auf? Wofür arbeitet ihr? Lasst es die Welt wissen! Schreibt einen Kommentar und öffnet euer Herz.

Marco Lo Voi
marco.lovoi@vom-hundertsten-affen.de
1Comment
  • Esther
    Posted at 10:24h, 28 April Antworten

    Gänsehaut, Marco :0

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