Gewächs, das Natur ist und Mathematik zugleich

Mathematik oder Natur?

Mathematik als Sprache.

Mathematik ist für mich eine Sprache, die wir Menschen gebildet haben, um unsere Natur und Umwelt beschreiben zu können und diese besser zu verstehen. Sie ist eines von vielen Werkzeugen, das dabei hilft, Schubladen für einen Schrank zu zimmern, an welchem die Menschheit seit Anbeginn der Zeit herumwerkelt. Dieser Schrank ist für mich erstellt. Dabei vergessen wir oftmals, die beschriebenen Gesetzmäßigkeiten erneut zu hinterfragen.  Als eindrückliches Beispiel dient wieder einmal das Wort „Ich“. Obwohl wir nicht definieren können, wer wir sind, nutzen wir drei Buchstaben, unser Selbst einzukategorisieren und in eine Schublade mit der Aufschrift „Ich“ zu stecken. Die Mathematik verfährt sehr ähnlich. Sie sieht sich die Natur an, wandelt sie in Zahlen um und vergisst dabei vollkommen, dass wir die Natur nicht in ein Gefängnis aus Zahlen stecken können, um sie zu verstehen. Das ist meine Meinung.

Denke ich über die Aussage „Gott ist ein Mathematiker“ nach, sträubt sich alles in mir, weil die Menschheit schon wieder versucht, sich selbst in Worte zu packen. Für mich ist Gott nicht der alte thronende Herr, sondern schlicht alles was existiert. Somit wird das biblische Sprüchlein „Gott ist in allen“ nachvollziehbarer: ist Gott alles was existiert, stellt jeder einzelne auch einen Teil davon dar. Dabei schließe ich jegliches Leben mit ein.

Ein Teil von Allem

Doch nehmen wir das Wort „Gott“, geht so vieles davon verloren und es ist ganz klar, dass wir nicht an uns alle denken. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass wir alle dazu gehören. Wir alle gemeinsam sind dieses Etwas. Wir können Leben nehmen, jedoch auch Leben schenken. Doch stattdessen schweben die Menschen unwissend umher und denken sich klein, anstatt Glück und Wohlbefinden darüber zu empfinden, dass sie teilhaben dürfen am Leben. Ein Teil von Allem sind.

Wir sind eben nicht alle Mathematiker. Wir müssen nicht alles durch Kategorisierungen verstehen, wir müssten nur einmal aufhören uns deshalb so zu stressen, alles verstehen zu wollen. Wir müssen einfach nur sein, das reicht schon. Genau wie der Brokkoli nichts über den Goldenen Schnitt und Fraktale weiß, müssen wir auch überhaupt nichts wissen. Was wir wirklich tun müssen sind Dinge, über welche wir keine Kontrolle besitzen, wie bspw. die Geburt und das Sterben. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass nicht die Mathematik die Natur erfunden hat, sondern die Natur die Mathematik.

Was treibt uns an?

Etliche Versuche der Menschen, Natur durch Mathematik, Sprache oder sonstwas festzusetzen, machen, zumindest für mich, zwar dahingehend Sinn, dass die Menschheit „weiter“ kommt, jedoch weiß ich nicht, was „weiter“ bedeuten soll. Fortschritt schön und gut, aber was nützt uns dieser? Hat er die Menschheit besser gemacht? Moralischer? Sind wir dem, meiner Meinung nach einzig erstrebenswerten Sinn, der Glücksfindung, damit näher gekommen? Es erscheint mir nicht so, denn je mehr „Fortschritt“ ich ablehne, desto mehr genieße ich, ein Teil von allem zu sein. Weiß ich genau das zu schätzen, was wirklich existent ist: das Leben als gutes Gefühl und nicht, die Dinge immer nur einzuteilen und dabei „weiter“ zu kommen.

Meine Meinung ist, und das sollte immer wieder wiederholt werden: Die Masse sieht den Sinn der Mathematik oder aller anderen Methoden, die auf das Verstehen unserer Welt abzielen, darin, die Menschheit, wie gesagt voran zu bringen, jedoch gibt es meiner Meinung nach nur einen Bruchteil von Menschen, die die Mathematik und alle anderen Dinge dieser Art wahrhaftig betreiben. Es sind diejenigen, die die Mathematik als einen Teil des Ganzen verstehen und nicht als das Ganze. Die die Mathematik zu ihrem Lebensinhalt machen, weil sie auf der Suche nach Sinn sind und die Mathematik lediglich das Mittel zum Zweck. Der Sinn wahrer Mathematiker ist die Sinnsuche selbst und nicht irgendeine von außen übergestülpte Wahrheit.

Im Auge des Riesen

Trotz meiner Kritik, bin ich der Mathematik dahingehend dankbar, dass ich sie als Erkenntnis-Tool nutzen kann. Bspw. bestätigt die sog. „Selbstähnlichkeit“ von Fraktalen mich dahingehend, dass alles existente, also alles, sein eigener Teil vom Ganzen ist und das sich das im Großen wie im Kleinen immer wiederholt. Man zoomt raus. Zoomt rein. Immer ist es das gleiche. Nur befinden wir uns auf einer Ebene, die wir als Mensch mit unseren Augen sehen können. Wir befinden uns in den Dimensionen der Menschen. Innerhalb unserer Dimensionen erschaffen wir verschiedene Unterkategorien, wie Sprache, Mathematik oder Biologie, die jeder für sich seinen Teil zum Ganzen beiträgt. Wir können genau das mit den Augen sehen, was wir zu sehen im Stande sind, obwohl noch so viele andere Dimensionen dauerhaft um uns herum bestehen.

Am Ende sind wir als Menschen eben ein großer Teil des Ganzen, egal was oder wo wir sind, ob im Auge eines Riesen oder in der Toilette vom Damenklo der Uni Freiburg. Wir könnten auch der Riese sein und deshalb darf man nicht dem Trugschluss anheim fallen, wir seien nichtig. Wir alle sind Teile vom Ganzen. Wir alle sind wichtig.

Was ist deine Meinung dazu? Schreib uns im Kommentarbereich!

Florian Reinmold
florian.reinmold@vom-hundertsten-affen.de
No Comments

Post A Comment