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Ort wahrer Freiheit

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Es gibt viele Orte auf der Welt, die Freiheit versprechen, sie jedoch nicht vorweisen können, natürlichweise existiert aber auch das Gegenteil: Orte, die auf den ersten Blick vielleicht nicht besonders wirken, im richtigen Licht betrachtet jedoch zu solchen werden. „ Ort wahrer Freiheit “ in eine Suchmaschine einzutippen verspricht nicht gerade überzeugende Ergebnisse. Was ich auf diese Weise finde, sind alles andere als schöne Plätzchen, sondern meist überlaufene und viel zu hoch bewertete Touristenmüllhalden, die möglicherweise einmal sehenswert waren, durch zu viel Werbung jedoch zu dem wurden was sie heute sind. Deshalb suche ich auf eine andere Weise. Ich suche dort, wo sonst niemand hinsieht.

Erinnerungen

Selbstverständlich habe ich, wie auch jeder andere Mensch, die ein oder andere wunderbare Erinnerung, mitsamt ihrer Örtlichkeit gespeichert. Der Platz, der mir als erstes in den Sinn kommt, ist die Insel Reichenau. Sie befindet sich im Bodensee und ist den meisten als Herkunftsort von Obst und Gemüse bekannt. Vor ziemlich genau drei Jahren war ich dort mit meiner Freundin. Wir waren gerade knapp vier Monate ein Paar und sehr verliebt ineinander, was mitunter deutlich dazu beigetragen haben muss, dass diese Insel für mich einen Ort wahrer Freiheit darstellt.

Was wir dort unternamen, war nicht viel: wir besorgten zwei belegte Brötchen und legten uns auf eine dieser hölzernen Schwimminseln, die im April noch am Ufer liegen und ließen uns die Frühlingssonne ins Gesicht scheinen. An und für sich war es ein ganz normaler Tag, zumindest für alle anderen. Für uns hatte dieser Ort etwas magisches und wir schwelgen nach drei Jahren noch häufig in der Erinnerung, weil wir gern daran denken wie ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit sich in uns nur aufgrund der Tatsache ausbreitete, dass wir einander hatten und daneben rein gar nichts zu tun war. Deshalb verkörpert diese schlichte Schwimminsel unter einem blauen Himmel im April für mich persönlich einen Ort wahrer Freiheit.

Unberührte Welten

Ein weiterer Ort wahrer Freiheit ist für mich ein Ort, der sich durch seine besondere Lage und Beschaffenheit auszeichnet. Ich spreche von dem Tafelberg Roraima, der sich im Dreiländereck zwischen Venezuela, Brasilien und Guyana befindet. Bei den Tafelbergen handelt es sich um flache Höhenplateaus, die womöglich durch tektonische Plattenverschiebungen entstanden. Von den Ureinwohnern wurden sie Tepuis genannt, was übersetzt „Häuser der Götter“ bedeutet.

Roraima ist der höchste dieser Tafelberge und kaum zugänglich. Erst nach einer schweren Reise durch Savanne und Dschungel und dem Bezwingen einer 800 Meter hohen Steilfelswand ist er zu erreichen. (Quelle: Water – Die geheime Macht des Wassers, https://www.youtube.com/watch?v=Q_Osih3pGqk, Zugriff am 11.04.2017)
Erst durch diese Isolation wird der Tafelberg für mich ein ganz besonderes Fleckchen Erde. Er wird für mich zu einem Ort wahrer Freiheit, indem er für uns Menschen fast unerreichbar bleibt. Zu wissen, ihn niemals zu besuchen macht mich jedoch nicht traurig, denn mit dem Zugang für Touristen würde sein Zauber ganz sicher schnellstens verloren gehen.

Heimat

Ich bin weder der Typ Mensch, der stolz seine Heimat bejubelt noch der den treuesten Fan des ansässigen Fußballclubs darstellt. Wenn ich von Heimatgefühl spreche, dann meine ich das Gefühl nach Hause gekommen zu sein. Seit zweieinhalb Jahren lebe ich in Freiburg im Breisgau, bin nun vierundzwanzig Jahre alt und mein Heimweh wird trotz der geringen Entfernung von knapp einhundert Kilometern mit jedem Tag größer. Ich finde es wirklich sehr schade, die täglichen Kleinigkeiten meiner Eltern nicht mehr mitzubekommen. Das macht auch kein wöchentlicher Pflichtanruf wett.

Dadurch, dass ich als Scheidungskind aufgewachsen bin, könnte man meinen, ich müsste mich eher damit anfreunden können, getrennt von einem Elternteil zu leben. Doch das kann ich nicht bestätigen. Es ist und bleibt nicht schön, als Familienmensch getrennt von seinen Lieben zu sein. Wenn ich schließlich in den Heimathafen einlaufe und sich alle in Reichweite befinden, steigt die Zufriedenheit in mir schlagartig an. Doch es bleibt nicht bei den Menschen.

Der Ort in dem ich aufgewachsen bin, heißt „Greffern“. Es ist ein kleines Hafendorf am Rhein mit knapp 2000 Einwohnern. Die meisten – und darunter war auch ich – würden den Umzug vom Dorf in die „große“ Stadt als Fortschritt sehen, doch diese Meinung vertrete ich heute nicht mehr. Ich vermisse die abertausend Mistelzweige in den hohen Bäumen, das Wasser des Rheines, das mit dem Fahrrad zehn Minuten entfernte Frankreich und ganz besonders die Rheinfähre, die einen sicher über den Rhein bringt. Ich vermisse sogar die alten Waschweiber, darunter meine Mutter als Neuzugang, die sich mehr oder weniger zufällig auf der Straße treffen, um ihr angesammeltes Tratsch-Wissen auszutauschen. Bereits auf dem Weg dorthin wird mir immer wieder klar: ich bin auf dem Weg zu meinem ganz eigenen Ort wahrer Freiheit, der nicht durch seine geographische Lage zu einem solchen wird, sondern ganz einfach durch meine Empfindung.

Was macht einen Ort für euch besonders? Wo fühlt ihr euch zufrieden? Hinterlasst uns doch einen Kommentar, in dem ihr uns diese Fragen beantwortet. Über ein wenig Interaktion würden wir uns sehr freuen.

Florian Reinmold
florian.reinmold@vom-hundertsten-affen.de
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