Beitragsbild Sokrates

Ich huldige Dir, Sokrates.

Dieser Mann Sokrates.

Ob es ihn nun gab oder nicht, er ist für mich einer der wenigen Menschen, die ich als einer meiner Vorbilder bezeichne. Sokrates existiert zwar nur innerhalb der Darlegungen seiner Schüler, hauptsächlich derer Platons, einem ziemlich bekannten Philosophen, doch trotzdem wirkt er quicklebendig in meinem Kopf. „Wie hätte Sokrates hier gehandelt?“, stellte ich mir allzu oft schon selbst die Frage. Wie hätte jemand entschieden, der von sich lediglich behauptet „zu wissen, nicht zu wissen“.

Schlussendlich habe ich ihn in diesem Punkt verstanden, so meine ich zumindest. Damit habe ich ihn hinter mir gelassen, um ihn anschließend in der Reihe meiner fiktiven Lehrmeister einzuordnen. Vorerst ganz oben. Ich huldige ihm, mit jedem Mal, da ich seine Methoden anwenden und seine sokratische Ungebrochenheit, die er in der Apologie an den Tag legt, mir als Beispiel nehmen kann.

Was soll ich sagen, manche mögen sich beim Wort „Held“ Spider-Man, Batman oder sonst eine Marvel-Figur vorstellen. Meine nächste Neuronenverknüpfung, die aufleuchtet, nachdem ich das Wort „Held“ zu Ohren bekomme, ist Sokrates. In meinem Kopf trägt er eines dieser blauen griechischen Gewänder, die ich aus dem Film Alexander im Kopf habe. In meinen Gedanken spaziert er herum und spricht mit den jungen Leuten, weil er weiß, dass ihre Köpfe noch nicht verwirrt wurden von den falschen Vorstellungen der älteren Menschen. Menschen, die sich in Sokrates‘ Augen selbst wie Kinder verhielten.

Bad boy Sokrates

Ein alter weiser Typ, der herumläuft und den Leuten ihre bescheuerten Vorstellungen um die Ohren haut und sich anschließend einen feuchten Dreck darum schert, dafür hingerichtet zu werden. Oldschool bad boy Sokrates. Genau nach meinem Geschmack. In den späten Sechzigern wäre er einer derjenigen gewesen, die in Woodstock auf der Bühne die Gitarre geklimpert haben. Naja, im alten Griechenland konnte man diese „leckt mich am Arsch Stimmung“ eben einfach noch nicht so cool transportieren. Sound hätte sich aber eben auch einfach schlecht in Büchern niederschreiben lassen. Wer weiß, vielleicht war er damals sowas wie ein Rockstar.

Um einen ernsten Schluss zu wahren, sei gesagt: Sokrates Sichtweise der Welt ist erstrebenswert für all diejenigen, die auf der Suche nach etwas ganz bestimmten sind. Für diejenigen, die nach schlichter Wahrhaftigkeit suchen: ihr könnt bei Sokrates anfangen und auch bei ihm aufhören.

 

 

Florian Reinmold
florian.reinmold@vom-hundertsten-affen.de
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